Doch wie ist diese Wärme einer Produktion genauer zu definieren und welche großen Missverständnisse und Fehlinterpretationen gibt es in diesem Bereich?
Was ist klangliche Wärme? Schritt 1: Analog = warm?
Viele Produzenten definieren die angestrebte Wärme einer Produktion oberflächlich als logische Konsequenz einer analogen Bearbeitung des Klangmaterials – als wenn es selbstverständlich wäre, dass beim Einsatz analoger Hardware automatisch ein mysteriöser „warmer“ Effekt entstünde. Fragt man bei Profis aber genauer nach, was eigentlich mit dieser Wärme gemeint ist, hört man oftmals widersprüchliche Aussagen.
Was ist klangliche Wärme? Schritt 2: Definition
Der Definition von Wärme innerhalb einer Produktion kann man sich mit den Ausschlusskriterien nähern: Ein kalter Klang wird in der Regel mit vielen Höhen, dünnen Mitten und Bässen sowie scharfen Transienten in Verbindung gebracht. Diese Erklärung führt zu der Ableitung, dass ein warmer Klang angenehme und ausgeprägt tiefe Frequenzen sowie weichere Höhen und Transienten besitzt.
Was ist klangliche Wärme? Schritt 3: Sättigung
Nach der theoretischen Definition kommt die Frage, wie man sich technisch dem Klangideal der Wärme nähert. Dass nicht automatisch der Einsatz von analogem Equipment zu diesem Ideal führt, belegt das Beispiel der Sättigung: Hier werden Obertöne – und damit bei nachhaltigem Einsatz sogar Schärfe – erzeugt; also nicht unbedingt das, was zur Definition von Wärme passt. Oder doch?
Was ist klangliche Wärme? Schritt 4: Weichzeichnen
Es gibt immense Unterschiede, wie Obertöne klingen können: aggressiv steril durch einen simplen EQ erzielt (= kalt) oder mollig und weich unter Einsatz von ausgewogener Saturation (= warm). Dabei landen wir auch wieder bei den Transienten, die durch eine Sättigung weichgezeichnet werden. Der Weg zum Ziel kann also durchaus eine analoge Hardware sein.
Was ist klangliche Wärme? Schritt 5: Digitale Wärme
Wie gelangt man aber unter Einsatz von Plug-ins und Computer zum angestrebten Klangideal? Wichtig sind zunächst hochwertige Plug-ins, die Sie sorgfältig einsetzen müssen. Die dezente Betonung der Frequenzen bei etwa 500 Hz, das Entschärfen von aggressiven Transienten und ein breites Stereobild inklusive Räumlichkeit sind notwendige Wege zum Ziel. Doch etwas fehlt noch …
Was ist klangliche Wärme? Schritt 6: Sterilität
Einen sterilen programmierten Eindruck gilt es tunlichst zu vermeiden, wenn Wärme eine gewünschte Klangeigenschaft ist. Dabei hilft neben der gewissenhaften Klangauswahl und lebendigen Modulationen auch eine Entquantisierung der eingespielten Musik. Ein echtes Orchester klingt nicht zuletzt wegen der fehleranfälligen „Komponente Mensch“ meist wärmer als eine reine MIDI-Komposition.
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